Deutsche Bischofskonferenz (DBK) unterstützt Berliner Initiative “Pro Reli”

vom 26. September 2008

TAGESSPIEGEL

Die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) hat sich hinter die Berliner Bürgerinitiative “Pro Reli” zur Einführung eines gleichberechtigten Religionsunterrichts neben Ethik gestellt. Der DBK-Vorsitzende Robert Zollitsch sagte, die katholischen Bischäfte begrüßten die Initiative und unterstütze dabei auch nachdrücklich die Aktivitäten des Berliner Erzbischofs Georg Kardinal Sterzinsky, die Situation des Religionsunterrichts zu verbessern. “Man sollte die Wahlmöglichkeit” zwischen Ethik- und Religionsunterricht haben, sagte der Freiburger Erzbischof. Die derzeitige Regelung benachteilige den Religionsunterricht.

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Religionsunterricht ist Glaubenssache

vom 25. September 2008

TAZ

Seit Montag läuft das Volksbegehren “Pro Reli”. Die Initiatoren der Kampagne zur Einführung von Religion als Wahlpflichtfach sind engagierte Christen - und Christdemokraten.

Auf dem Hof hinter der Parochialkirche rüsten sich die Kirchenvertreter zum basisdemokratischen Angriff. Es ist schon dunkel. Rund 25 Christen aus Mitte und Pankow stehen vor einem Lieferwagen Schlange. Einer nach dem anderen nehmen sie die Kartons entgegen. Jeweils 750 Unterschriftenbögen befinden sich darin. “Jeder erst mal nur einen Karton”, dirigiert der junge Mann, der die Bögen herausreicht. Christoph Lehmann, der Chef von “Pro Reli”, hält sich etwas abseits und scherzt: “Das ist ja wie bei der Armenspeisung.”

Seit dieser Woche läuft das Volksbegehren für Religion als Wahlpflichtfach an den Schulen. Vier Monate haben die Initiatoren von “Pro Reli” Zeit, um 170.000 Unterschriften zu sammeln. Auf den Straßen und in den Kirchengemeinden wollen sie für ihr Anliegen werben. Bekommen sie genug Unterstützer zusammen, findet nach der Abstimmung über die Schließung von Tempelhof im nächsten Jahr der zweite landesweite Volksentscheid statt.

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Alles unter Kontrolle

vom 24. September 2008

TAGESSPIEGEL, KOMMENTAR

Der Senat von Berlin will Religion nicht als Wahlpflichtfach – wovor hat er Angst?

“Pro Reli“, das hört sich nett an, spielerisch, das klingt nach Schülerdeutsch. Für den Senat von Berlin aber scheint die Bürgerinitiative, die sich für einen gleichberechtigten Religionsunterricht einsetzt, etwas ganz Schlimmes zu sein. Die Trennung von Staat und Kirche sieht er offenbar in Frage gestellt, die Multikulturalität der Stadt hält er für gefährdet, wenn nicht alle Schüler einer Klasse dasselbe über ethische Grundprinzipien erfahren.

Deshalb wird jetzt auch die Initiative für einen gleichberechtigten Religionsunterricht auf subtile Art behindert. Entgegen der ursprünglichen Erwartung dürfen die Verfechter des Volksbegehrens die geplanten 50 Informationsstände nicht etwa aufstellen, wo sie mögen, sondern haben sich jeweils die Erlaubnis der Bezirke zu holen. Das kann, je nach gutem Willen des zuständigen Mitarbeiters, schnell oder langsam gehen – Verzögerung ist die perfideste Form der Verneinung.

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Grünen-Sprecher Winkler für «Pro Reli»

vom 22. September 2008

Berlin (KNA) Der kirchenpolitische Sprecher der bündnisgrünen Bundestagsfraktion, Josef Winkler, hat sich im Unterschied zu den Berliner Grünen hinter das Volksbegehren «Pro Reli» gestellt. Die derzeitige Regelung des Werteunterrichts diskriminiere Schüler, die Religionsunterricht besuchen möchten, sagte er der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Montag in der Bundeshauptstadt.

In Berlin gibt es seit zwei Jahren ein Pflichtfach Ethik, während der Religionsunterricht ein freiwilliges Zusatzfach ist. Die Bürgerinitiative «Pro Reli» will auf dem Wege eines Volksentscheids erreichen, dass Religion ein gleichberechtigtes Alternativfach für Ethik wird.

Winkler betonte, der Verweis auf den zusätzlichen Religionsunterricht könne vom Berliner Senat «nicht wirklich ernst» gemeint sein. Weil der Stundenplan der Schüler überfrachtet sei, werde der Religionsunterricht in die Randstunden gedrängt. Neben SPD und Linkspartei im Land Berlin lehnt auch die grüne Abgeordnetenhausfraktion eine Wahlmöglichkeit zwischen Ethik- und Religionsunterricht ab. CDU, FDP und SPD-Bundespolitiker, darunter Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse, unterstützen dagegen das Volksbegehren.

wil/gor/amo/

6 Gründe für Wahlfreiheit

vom 21. September 2008

  1. Frei Wählen: Jeder soll frei wählen können. Zwischen Ethik, evangelischer, katholischer, islamischer und jüdischer Religion oder Weltanschauungsunterricht. Ein Zwangsfach Ethik für alle bedeutet Bevormundung.
  2. Grundrechte auch in Berlin: Religionsunterricht als ordentliches Lehrfach an öffentlichen Schulen ist in Artikel 7 des Grundgesetzes garantiert. Diese Bestimmung gilt ausgerechnet in der deutschen Hauptstadt Berlin nicht.
  3. Berlin ist multikulturell: Nur die Wahlfreiheit nimmt die kulturelle Vielfalt Berlins auf. Jeder wird mit seinen kulturellen und religiösen Wurzeln ernst genommen.
  4. Besseres gemeinsames Lernen: In fast allen Schulfächern wird gemeinsam unterrichtet. Respekt und Toleranz gegenüber Anderen gibt es aber nur, wenn man etwas über den eigenen Glauben und die eigene Weltanschauung weiß.
  5. Werte auch für kleine Kinder: Werteunterricht sollte nicht wie bisher erst in der Oberschule verpflichtend sein. Kinder brauchen so früh wie möglich Orientierung.
  6. Diesmal gilt’s! An dieses Volksbegehren und den folgenden Volksentscheid ist der Senat gebunden. Es ist die erste Volksabstimmung über ein Gesetz in Berlin.

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